Lieber Interessent, Sie haben den Wunsch ein Tier aus dem Tierschutz zu adoptieren. Das ist erst einmal eine sehr gute Überlegung, birgt aber auch seine Tücken. Die Motivation dazu sollte niemals aus dem Wunsch heraus entstehen, ein Tier zu retten.

Mitleid reicht leider nicht aus, denn holt man sich z.B. einen Hund ins Haus, geht man damit eine große Verantwortung ein, und das meistens für viele Jahre.

Adoptiert man einen Hund aus dem Tierschutz, egal ob aus dem In-oder Ausland, bedarf es meistens ganz viel Verständnis, Geduld und ganz wichtig, keinerlei Erwartungen an das Tier zu haben. Dies gilt ganz besonders für Hunde aus dem Ausland.

Hunde aus dem Ausland sitzen oft schon Jahre hinter Gittern, kommen vielleicht von der Straße, wurden mal eben von seinem Besitzer in der Tötung abgegeben, oder mussten lange als Kettenhund ihr Dasein fristen. Viele von ihnen haben negative Erfahrungen gemacht, wurden nie im Haus oder Wohnung gehalten, hatten nur wenig Kontakt zu ihren Menschen, oder wurden schlichtweg vernachlässigt.

Sie haben alle unterschiedliche Vorgeschichten und die meisten davon sind für uns, die Hunde in der Regel als Familienmitglied betrachten, nur schwer zu ertragen.

Kommt ein solches Tier in ein Tierheim, passen sie sich meistens der Tierheimsituation an, da sie sehr individuell und flexibel sind. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Für diese Hunde ist der Tierheimalltag dann einfach purer Stress.

Es kann also sein, dass ein Hund der im Tierheim ständig an das Gitter springt, sich gebärdet wie ein wildes Tier um Aufmerksamkeit zu erregen, in einer Familie ein eher ruhiger Vertreter ist. Oder ein Hund, der sich nur im Hintergrund hält, sich vielleicht sogar verkriecht um nicht mit den anderen Hunden aneinander zu geraten, sich im neuen Heim aufgeschlossen und verschmust zeigt.

Auch völlig unauffällige Hunde, können mit dem Einzug ins neue Zuhause plötzlich besitzergreifend werden, oder sich territorial verhalten. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass Hunde mehr oder weniger schnell in der Lage sind, an die sich ihnen angebotene Situation anzupassen. Hunde leben im "hier und jetzt". Darauf müssen Sie vorbereitet sein, denn die Eingewöhnungsphase ist für alle Beteiligten eine völlig neue Situation.

Der Mensch neigt dazu, jetzt wo der "arme" Hund angekommen ist, ihm ein ganz tolles Hundeleben zu bieten. Ihn zu verwöhnen mit dem besten Futter, ihm stundenlanges Kraulen und Spaziergänge anzubieten, einen weichen Liegeplatz, am besten direkt mehrere und überhaupt soll der Hund endlich alles bekommen was er vermisst hat. Das soll er auch, aber bitte in Maßen und dosiert, sonst sind Probleme vorprogrammiert.

Stellen Sie sich vor, sie haben nichts in ihrem bisherigen Leben gehabt, wurden gemieden und mussten sehen wie Sie über die Runden kamen. Und dann plötzlich kommt jemand, der sie mit bestem Essen, mit Zuneigung, einem tolles Haus mit Garten und alles was Sie schon immer vermisst haben, überschüttet. Dann fühlen Sie sich doch bestimmt wie ein König und genau so fühlt sich auch der Hund, nur das der König in der Hundewelt der Chef ist und das Sagen hat!

Wir bemühen uns, Ihnen ausreichende Informationen und Charaktereigenschaften über den Hund zu geben, aber anhand der Beispiele sehen Sie, dass viele Faktoren eine Rolle spielen, wie sich der Hund in den ersten Wochen/Monaten zeigt.

Sicher ist, das der Hund nicht nur eine weite Reise hinter sich hat, sondern auch den für ihn "sicheren Platz" verlassen musste. Plötzlich ist viel Aufregung um ihn herum, fremde Menschen greifen nach ihm, vielleicht fährt er zum ersten Mal in einem Auto...

Jeder  dieser Hunde reagiert darauf unterschiedlich; zeigt andere Verhaltensweisen. Die Einen sind völlig aus dem Häuschen, neugierig, freundlich und aufgeschlossen, die Anderen eher ängstlich, zurückhaltend und abwartend. Daher ist es wichtig , wie anfangs schon erwähnt, an das neue Familienmitglied keine Erwartungen zu stellen und genügend Zeit, Geduld und  Verständnis zu haben.

Lassen Sie den Hund in seinem Tempo ankommen und überfordern Sie ihn nicht. Geben Sie ihm wenn nötig Hilfestellung und bieten ihm einen neuen "sicheren Platz".

Wenn Sie unsere voran gegangenen Zeilen bis hierhin gelesen haben und Sie sich immer noch vorstellen können, ein Tier aus dem Tierschutz zu adoptieren, stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.