2019-03-10

Mein Handy klingelte. Ein Anruf von meiner jetzigen Teamkollegin Petra, die zu dieser Zeit noch für eine andere Tierschutzorganisation arbeitete.
„Wir haben einen Rückläufer. Ist dringend, weiblich, nicht kastriert. Sie muss leider so schnell wie möglich von ihrem Zuhause weg. Das Frauchen kann sie nicht mehr mit zur Arbeit nehmen und ist mit der Situation total überfordert. Könnten sie sich vorstellen, auch diese Hündin auf PS nehmen? Sie hatten sich ja als PS schon für einen anderen Hund beworben. Da habe ich sofort an sie gedacht.“

Oh Gott, eine Hündin, niemals, nicht kastriert, wir haben zwei Rüden, kastriert zwar, aber dennoch. Aber sonst muss sie womöglich zurück nach Ungarn ins Tierheim? Das geht ja auch nicht. „Ich frage meinen Mann, melde mich dann wieder.“ Gedankenverloren starrte ich mein Telefon an.

Zoé, früher Leta, kam aus einem Tierheim in Ungarn und hatte das große Glück, als Junghund nach Deutschland vermittelt worden zu sein. Sie konnte nichts dafür, dass sich das Leben von Frauchen plötzlich änderte. Sie hatte nichts getan, war unschuldig an der Situation. Jetzt benötigte sie erst mal eine neue Bleibe. Sie war verträglich mit Hunden, so hieß es. Sie wurde gebarft, womit ich mich noch nicht auskannte, da meine Hunde zu der Zeit noch nicht gebarft wurden.

Meine Jungs waren verträglich mit allen Hunden, das würde also gehen. Mein Mann sagte dann auch: „Oh nein, ein Hündin, muss das sein? Haben die keinen Nofallrüden? Den würde ich sofort nehmen.“

Nein natürlich nicht, es musste die Hündin sein.

Kurzum, mein Mann stimmte-gespielt widerwillig - zu und ich gab dann der Kollegin das ok. Ich nahm meinem Mann das Versprechen ab “Nur zur Pflege, nur als Pflegehund!!“ Ja klar smile

Zoé war wasserscheu, laut der Aussage des Frauchens, und litt unter ständigen Durchfällen. Oh mein Gott, das auch noch, aber ok, dass schaffen wir auch noch.

Mein Mann machte dann den Termin für das erste Kennenlernen und da sollte Zoé auch sofort bei uns bleiben. Immer wieder, ich kenne ja meinen Mann, nahm ich ihm das Versprechen ab, das sie nicht bleiben darf, da wir ja mit unseren zwei Hunden genug hatten. Pflegestelle ja, aber nicht mehr.

Unser älterer Hund Balou, auch aus einem Tierheim, war schließlich schon geschätzte 14 Jahre alt, war schon mehrfach operiert worden und wer wusste denn, wie lange er noch bei uns blieb. Unser junger Hund Billy, aus einen Hinterhof geholt als Welpe, war erst 5 Jahre alt. Und der war noch nie alleine. Das war dann die Motivation für den Pflegi.

Zoé kam, jagte durch unseren Garten, machte unsere Rüden sofort blöd an und war so gar nicht zu Besuch hier. Unsere Jungs schauten erst nur verdutzt, dann maulten sie beide mit ihr rum, aber das machte der flinken Zoé so gar nichts aus. Mein Mann schnappte nach Luft, hatte Herzchen in den Augen, war verliebt.

Mit einem Satz sprang die Hüpfmaus, von nun an Kröte genannt, in den Teich, planschte herum und trank das Teichwasser.

Wie war das? Sie kam, sah und siegte?

Nie im Leben ein Mädchen!! Nein, niemals!!

Wir barfen jetzt alle Hunde. Es gab am Anfang erst mal kleinere Probleme, sie war es wohl gewohnt, den Ton anzugeben. Das gelang ihr hier nicht. Sie wollte mit dem Besen, dem Staubsauger, dem Rasenmäher kämpfen, die Erste sein beim Auslauf und Gassi gehen, kam nie zur Ruhe, schreckte ständig aus dem Schlaf hoch und schnappte um sich herum, aber das Schlimmste: der Futterneid.

Immer wieder zeigten wir ihren Platz im Rudel, immer wieder übernahmen wir alle die Führung und immer wieder schickten wir sie auf ihren Platz: Vor den Spiel, nach dem Spiel zwischendrin wenn Besuch kam, damit sie lernte, wie wichtig Ruhepausen für sie sind.

Wir machten Fährtensuchspiele, Ballspiele, gingen Gassirunden in den Wald und über Feldwege und powerten sie so aus. Dann die Ruhephasen. Sie lernte und bald suchte sie sich ihren eigenen Ruheplatz wenn ihr unser Besuch, oder das Spielen mit meinem Patenkind zu viel wurden.

 

Aber der Futterneid, da kannte sie keinen Spaß, keine Freunde. Wir übten, wegnehmen, warten, hinstellen, warten usw. und irgendwann lag ein Stück hartes Brot auf dem Boden, das die Hunde manchmal bekamen, weil sie es so liebten.

Unser Balou ging einfach nur daran vorbei und Zoé sprang ihn an, biss ihn mit ihren scharfen Zähnchen ins Ohr und Billy wollte sich einmischen. Da wir immer beim Füttern anwesend waren, konnten wir unseren Billy zurück halten, bevor Schlimmeres passierte.

Es ging gut aus, Zoé bekam auch von Balou etwas ab,der wehrte sich nämlich. Kröte machte in den nächsten zwei Tagen einen Bogen um Balou herum. Das hatte sie sich wohl erst mal gemerkt. Aufpassen mussten wir noch lange beim Füttern oder Leckerlie geben, aber letztendlich hat sie es geschafft, mit Strenge und Geduld.

Ach ja, sie bleibt natürlich......

War ja klar....

Sie hat meinen Mann um den Finger gewickelt, schläft neben ihm im Bett und sie ist die beste Freundin meines Patenkindes, dekoriert die Wohnung um sobald wir das Haus verlassen haben und macht viel Unsinn. Zwei Jahre ist sie jetzt hier, kastriert natürlich, munter und verspielt, liebt unseren Teich und jagt durch den Garten mit den Jungs, aber schneller.

Wir lieben sie alle, besonders meine drei Jungs

von Wilma Traut, Zoés Frauchen